Aluminium mit Elektrode schweißen

Das Aluminium mit Elektrode schweißen (auch Lichtbogenhandschweißen, E Hand oder MMA genannt) ist ein Schweißverfahren zum Fügen von Aluminiumwerkstoffen und Aluminiumlegierungen. Im Vergleich zum weit verbreiteten WIG- oder MIG-Verfahren wird es heute vor allem für Reparaturen, Montagearbeiten im Freien oder im Heimbereich eingesetzt, da es ohne externes Schutzgas auskommt.

1. Was bedeutet Aluminium mit Elektrode schweißen (Funktionsprinzip)?

Beim Elektroden Schweißen von Aluminium brennt ein elektrischer Lichtbogen zwischen einer abschmelzenden Aluminium-Stabelektrode und dem Werkstück. Die Elektrode ist mit einer speziellen, dick umhüllten Salzschicht (Flussmittel) versehen.

Da Aluminium an der Luft extrem schnell eine harte Oxidschicht bildet (Schmelzpunkt ca. 2050 °C, während reines Aluminium bereits bei ca. 660 °C schmilzt), hat die Umhüllung der Elektrode eine kritische Aufgabe: Sie schmilzt beim Schweißen, bricht die Oxidschicht chemisch auf, schützt das flüssige Schweißbad vor Sauerstoff und bildet eine Schlackeschicht, die die Naht beim Abkühlen schützt.

2. Was man dafür braucht (Ausstattung & Material)

Um Aluminium mit der Elektrode erfolgreich zu schweißen, wird eine spezielle Ausrüstung benötigt:

  • Schweißgerät (Inverter): Benötigt wird ein Gleichstrom-Schweißgerät (DC). Da Aluminiumelektronen eine sehr stabile Spannung verlangen, ist ein moderner Schweißinverter mit hoher Leerlaufspannung (oft über 70 V) und idealerweise einer Hot-Start- sowie Arc-Force-Funktion zwingend erforderlich. Die Elektrode wird in der Regel am Pluspol (+) angeschlossen (DCEP).
  • Aluminium-Stabelektrollen: Diese müssen exakt auf die zu schweißende Aluminiumlegierung abgestimmt sein (häufige Typen: AlSi5 für Aluminium-Silizium-Legierungen oder AlMg5 für Aluminium-Magnesium-Legierungen).
  • Werkzeuge zur Vorbereitung: Eine Edelstahl-Drahtbürste (wichtig: nur für Aluminium verwenden!), Aceton oder spezieller Reiniger, und ein Winkelschleifer.
  • Schutzausrüstung: Automatik-Schweißhelm, Schweißhandschuhe und schwer entflammbare Kleidung (Aluminium spritzt beim E-Hand-Schweißen stark).

3. Was man unbedingt beachten muss (Herausforderungen)

Das E-Hand-Schweißen von Aluminium gilt als Königsdisziplin und ist deutlich schwieriger als das Schweißen von Stahl. Folgende Besonderheiten müssen beachtet werden:

  • Extreme Hygroskopie (Feuchtigkeit): Die Umhüllung von Alu-Elektroden zieht extrem schnell Feuchtigkeit aus der Luft. Feuchte Elektroden führen zu starker Porenbildung und Bindefehlern. Lagerung: Absolut luftdicht. Oft müssen die Elektroden vor der Verwendung im Ofen rückgetrocknet werden (Herstellerangaben beachten, meist ca. 80–120 °C).
  • Hohe Wärmeleitfähigkeit: Aluminium leitet Wärme etwa viermal schneller ab als Stahl. Das Werkstück kühlt die Schweißstelle sofort aus. Deshalb ist ab einer Materialstärke von ca. 3–4 mm ein Vorwärmen des Werkstücks auf 150 °C bis 250 °C unerlässlich.
  • Aggressive Schlacke: Die entstehende Schlacke ist hochgradig korrosiv. Sie muss nach dem Schweißen restlos entfernt werden (Abklopfen, Bürsten und ggf. mit Wasser abwaschen), da das Bauteil sonst nach kurzer Zeit zu fressen/korrodieren beginnt.
  • Hohe Abschmelzgeschwindigkeit: Aluminium-Elektroden schmelzen extrem schnell ab (etwa dreimal schneller als Stahlelektroden). Der Schweißer muss die Elektrode sehr rasant nachführen.

4. Wie das geht (Schritt-für-Schritt-Anleitung)

Schritt 1: Die Werkstückvorbereitung (Das A und O)

  • Reinigen: Die Schweißfuge großflächig mit Aceton von Fett und Öl befreien.
  • Oxidschicht entfernen: Die Stelle unmittelbar vor dem Schweißen mit einer Edelstahl-Drahtbürste mechanisch blank bürsten, um die Aluminiumoxidschicht zu schwächen.
  • Fugenform: Bei Dicken ab 4 mm eine V-Fuge (60°–70°) anschleifen.

Schritt 2: Vorwärmen

Das Werkstück (falls dicker als 3 mm) mit einem Gasbrenner gleichmäßig auf ca. 150 °C bis 200 °C erwärmen. (Tipp: Ein Holzspan, der auf dem Alu reibt und braun wird, zeigt ca. 200 °C an).

Schritt 3: Der Schweißvorgang

  • Einstellung: Stromstärke wählen (Faustformel: ca. 30–40 Ampere pro Millimeter Materialstärke, je nach Elektrodendurchmesser). Elektrode an den Pluspol.
  • Zünden: Der Lichtbogen wird durch kurzes Anstreichen (wie ein Streichholz) gezündet.
  • Brennerführung: Die Elektrode wird fast steil (ca. 80° bis 90° Winkel) zum Werkstück geführt. Es wird meist stechend (in Fahrtrichtung geschoben) geschweißt.
  • Geschwindigkeit: Aufgrund des schnellen Abschmelzens muss die Elektrode zügig in das Schweißbad nachgeführt und die Naht sehr schnell gezogen werden. Pendeln ist meistens zu vermeiden; eine gerade Strichraupe ist ideal.

Schritt 4: Nachbereitung

Nach dem Abkühlen die Schlacke mit dem Schlackehammer abschlagen. Da die Reste korrosiv sind, die Naht anschließend gründlich mit einer Drahtbürste und heißem Wasser (evtl. unter Zugabe von etwas Spülmittel) reinigen, bis keine weißen Salzrückstände mehr sichtbar sind.


Das Aluminium schweißen mit der Stabelektrode ist ein schnelles, mobiles Verfahren für Reparaturzwecke. Aufgrund der rasanten Abschmelzgeschwindigkeit, der Anfälligkeit für Poren und der hochkorrosiven Schlacke erfordert es jedoch viel Übung, eine sorgfältige Materialvorwärmung und eine absolut trockene Lagerung der Elektroden.